Wie kam es dazu, welche Herausforderungen gab es und wie schaut das Fazit aus? Die Tiroler Landeszeitung hat bei LH Anton Mattle und LHStv Philip Wohlgemuth nachgefragt.
Wann war klar, dass Tirol diesen Schritt gehen will?
LH Mattle: Mit dem Regierungsprogramm war für uns klar: Bildung beginnt nicht erst in der Schule. Deshalb haben wir 2023 die Entscheidung getroffen, als erstes Bundesland das Recht auf einen Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsplatz umzusetzen. Dafür haben wir zusätzliche finanzielle Mittel bereitgestellt und einen umfassenden Reformprozess mithilfe eines 10-Punkte-Plans gestartet.
LHStv Wohlgemuth: Wir wollten nicht nur einen Anspruch auf dem Papier schaffen. Es musste ein System entstehen, das in den Gemeinden tatsächlich funktioniert – mit ausreichend Plätzen, Personal, Infrastruktur und einer fairen Vermittlung.
Was war die größte Herausforderung?
LH Mattle: Der Anspruch an uns selbst war von Beginn an hoch. Gleichzeitig lässt sich ein Projekt dieser Größenordnung nicht von heute auf morgen umsetzen. Deshalb haben wir bewusst einen Stufenplan gewählt. Und wir mussten sehr unterschiedliche regionale Situationen berücksichtigen. Was in einer Stadt funktioniert, kann in einem ländlichen Tal ganz anders aussehen. Deshalb war es entscheidend, die Gemeinden von Beginn an einzubinden.
2024 ging es in die Pilotphase. Was wurde getestet?
LHStv Wohlgemuth: In zunächst vier Pilotregionen mit insgesamt 48 Gemeinden wurden die Abläufe praktisch erprobt. Es ging um die Frage: Wie vermitteln wir Plätze möglichst einfach, transparent und bedarfsgerecht. Gleichzeitig haben wir aus der Praxis gelernt. Das war wichtig, damit wir kein Modell am Schreibtisch entwickeln, sondern eines, das im Alltag funktioniert.
Ein zentraler Baustein ist FRIDA. Warum braucht es eine digitale Plattform?
LH Mattle: Zeitgemäße Kinderbildung und Kinderbetreuung braucht eine moderne und transparente Infrastruktur. FRIDA schafft erstmals einen landesweit einheitlichen Anmeldeprozess. Eltern können ihren Bedarf digital bekanntgeben, Gemeinden erhalten einen besseren Überblick und freie Plätze können gezielter vermittelt werden. Das schafft Transparenz und Wahlfreiheit.
LHStv Wohlgemuth: Digitalisierung ist aber kein Selbstzweck. Sie soll Verwaltung vereinfachen und den Menschen Zeit geben – Zeit für die persönliche Beratung und vor allem für die pädagogische Arbeit.
Am 1. Dezember 2025 wurde der Vermittlungsauftrag gesetzlich verankert. Was bedeutet das konkret?
LH Mattle: Das Datum markiert einen Meilenstein: Aus einem politischen Ziel wurde ein konkretes Projekt, bei dem wir auf gemeindeübergreifende und praktische Lösungen setzen.
Wie fällt die Bilanz heute aus?
LH Mattle: Sehr positiv. Wir haben viel erreicht und die Zahlen geben uns Recht: In Tirol werden mittlerweile mehr als 43.500 Kinder unter 15 Jahren in Einrichtungen betreut. Wir haben in fünf Jahren 82 Einrichtungen zusätzlich geschaffen und erstmals die europäischen Barcelona-Ziele in allen Altersgruppen übertroffen.
LHStv Wohlgemuth: Und wir haben mit FRIDA in kurzer Zeit einen zentralen Baustein geschaffen. Allein in der ersten Anmeldephase wurden rund 11.600 Kinder digital angemeldet.
Sind Sie damit zufrieden?
LH Mattle: Ja. Aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen und müssen weiter in Qualität, Personal, Infra-struktur und wohnortnahe Angebote investieren. Wir haben mit dem Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung einen wichtigen Schritt hin zu mehr Bildungschancen und echter Wahlfreiheit für Familien gemacht.
LHStv Wohlgemuth: Aus einem politischen Versprechen ist ein konkreter sozialpolitischer Meilenstein geworden.