17. Februar 2026

Engagiert für einen sicheren Schulweg

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Gudrun (li.) und Claudia (re.) machen den Schulweg für die Kinder in Zirl sicherer.
In ganz Tirol engagieren sich Freiwillige als SchulweglotsInnen – Verstärkung wird immer gesucht.

Donnerstag, 7 Uhr Früh. Es ist ein kalter Jännertag, nasse Schneeflocken fallen vom Himmel, die Straßen sind mit einer Schicht aus Schneematsch bedeckt. Trotz der Dunkelheit sieht man Claudia und Gudrun mit ihrer reflektierenden Kleidung schon aus weiter Ferne. Die beiden Frauen sind im Moment die einzigen Schulweglotsinnen in der Marktgemeinde Zirl und decken zwei bis drei Tage in der Woche ab. Normalerweise sind sie nicht zu zweit am selben Ort im Dienst, für das Treffen mit der Tiroler Landeszeitung machen sie eine Ausnahme.
„Je mehr, desto besser. Wir können uns leider nicht teilen“, sind sie sich einig. Es gäbe in der großen Gemeinde durchaus Bedarf für mehr SchulweglotsInnen, die jeden Tag vier bis fünf kritische Stellen abdecken. Die beiden Pensionistinnen sind noch nicht so lange dabei – Gudrun seit zwei Jahren und Claudia seit Herbst. „Ich bin erst kürzlich nach Zirl gezogen und wollte mich in der Gemeinde engagieren. Nachdem ich vorher als Sozialpädagogin gearbeitet habe, erschien mir die freiwillige Tätigkeit als Schülerlotsin passend“, sagt sie. Gudrun hat sich freiwillig gemeldet, nachdem sie von ihrem Zuhause aus immer wieder gefährliche Situationen im Kreuzungsbereich beobachtet hat: „Ich mache das, um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen.“

Aufmerksamkeit von allen  

Es herrscht reger Verkehr auf der Landesstraße, zahlreiche Pkw, Lkw, Busse und Schneeräumfahrzeuge sind unterwegs. Im Abstand von wenigen Minuten queren kleine Gruppen von Schulkindern die zwei Zebrastreifen an der Kreuzung im Ortszentrum. Viele Jugendliche und Erwachsene sind unterwegs zur nahegelegenen Bushaltestelle. Auffällig ist, dass alle Kinder freundlich grüßen und sich bei den Lotsinnen bedanken. „Heute ist wenig los – bei dem Wetter werden viele Kinder von ihren Eltern in die Schule gefahren“, sagt Gudrun. Auf die Frage, ob sie das Gefühl haben, dass die AutofahrerInnen aufmerksamer sind, wenn sie im Dienst sind, nicken Claudia und Gudrun zustimmend. „Man sieht, wie Autos schon aus der Entfernung langsamer werden und auch vorbildlich vor dem Zebrastreifen anhalten. Von Weitem halten uns die Menschen oft für die Polizei, das hilft sicherlich“, sagt Claudia mit einem verschmitzten Lächeln. Aber die zwei Lotsinnen kennen auch andere Situationen. Manche VerkehrsteilnehmerInnen sind weniger verständnisvoll, sagen die beiden. Ob sie sich mehr Rücksicht aller VerkehrsteilnehmerInnen gegenüber den Kindern wünschen würden? Darauf hat Gudrun eine klare Antwort: „Rücksicht ist das falsche Wort. Es müssten sich einfach nur alle an die geltenden Verkehrsregeln halten und aufmerksam sein. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein.“ Für die beiden Frauen ist klar: Die freiwillige Arbeit als Schulweglotsin ist auch weiterhin notwendig. Um 7.40 Uhr eilen noch die letzten SchülerInnen Richtung Schule. Gleich ist Schulbeginn, damit endet auch der Einsatz von Claudia und Gudrun für heute. In ganz Tirol werden laufend Freiwillige für diese wichtige Tätigkeit gesucht. Interessierte können sich bei ihrer Wohnsitzgemeinde melden.

„Geh-Gemeinschaft“  

Neben LotsInnen sind in ganz Tirol auch Pedibusse unterwegs. Hierbei tun sich engagierte Erwachsene (meist Eltern oder Großeltern) zusammen, um Kinder als „Geh-Gemeinschaft“ auf festgelegten Routen zur Schule zu begleiten. Ganz besonders gefragt sind Pedibusse für SchülerInnen der 1. Klasse in den ersten Schulwochen, um den Schulweg gründlich zu „trainieren“. Pedibusse werden durch das Land Tirol und das Klimabündnis mit einem Beratungs- und Begleitungsangebot unterstützt. Sie haben Interesse, einen Pedibus zu starten? Mehr Infos und persönliche Beratung: www.klimabuendnis.at
 
Seit knapp 60 Jahren gibt es das Konzept der freiwilligen Schulweglotsinnen und -lotsen in Tirol. Zur Ausübung ihrer Tätigkeit erhalten sie, genauso wie alle Pedibus-Begleiterinnen und -Begleiter, bei Bedarf vom Land Tirol reflektierende Regenponchos, Warnwesten, Schildkappen und Kellen. In ganz Österreich verfolgen wir ein Ziel: keine getöteten Kinder im Straßenverkehr. Noch ist dieses Ziel nicht erreicht. Es braucht viel Einsatz und Engagement, um die Sicherheit zu erhöhen und Unfälle zu verhindern.  Mein Dank gilt jenen, die sich dafür einsetzen – insbesondere den vielen freiwilligen Schulweglotsinnen und -lotsen in Tirol. Wenn alle Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer aufmerksamer sind und dabei vor allem auf Kinder und ältere Personen Rücksicht nehmen, sind wir alle noch sicherer unterwegs – und das ist das Ziel.
– LR René Zumtobel

 

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